
Verlängerungen
Foto: Claire Guerrier | Text: Oliver Lüdi
Wenn alle Welt darüber spricht, müssen wir ja nicht auch noch. Deshalb nichts weiter zu den brutalen zweimal 15 nach 90 Minuten, zur Bruthitze in Manaus, Krämpfen und dem drohenden Elfmeterschiessen. Schliesslich gibt es wichtigere Dinge im Leben als Fussball. Die kommenden Ferien z.B. und wie wir sie in den Alltag rüberretten, lebendig erhalten und verlängern. Es kann doch nicht sein, dass das richtige Leben im falschen jährlich nur drei Wochen währt.
Kann nicht und muss nicht. Denn es gibt ja Bilder vom Sehnsuchtsort, Fotos mit Meer, Himmel, Sonnenuntergängen … und mit uns drauf. Auch gibt es Mitbringsel aus den Ferien, das Übliche, was einem grad so ins Auge fiel. Und sooft man dann den auf einem Markt erworbenen Gürtel anlegt, entsinnt man sich des charmanten Verkäufers und dass man sehr wahrscheinlich (entgegen dem Reiseführer-‹Insider-Tipp›, der jenen Markt gewissermassen zur Lederwaren-Schnäppchen-Oase kürte) zu viel bezahlt hat. Und wenn wir schon dabei sind: Ist es nicht seltsam, dass der wunderbare Rotwein aus dem einfachen Restaurant am Hafen hier, zu Hause, unter anderen geografischen, klimatischen und psychologischen Umständen nicht besser schmeckt als irgendein Billigwein vom Discounter?
Anleitung zur Erzeugung eines vollkommenen Feriengefühls (ganzjährig durchführbar): Man stelle sich unter die Dusche, spare nicht mit Wasser und beuge sich dann mit tropfnassen Haaren, so weit es eben geht, nach unten. Dabei stellt sich – hervorgerufen durch die kleinen Wassermengen, die infolge der Schwerkraft in unsere Nase laufen – sofort ein hundertprozentiges Strandferien- oder zumindest Freibadgefühl ein. Kostenlos und bei Kaltduschern klimaneutral.


















