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SehhilfenFoto: Claire Guerrier | Text: Oliver Lüdi Glück hat, wer keine braucht, wer zu den normalsichtigen 36% der Bevölkerung gehört, also ohne Sehhilfe in die Ferne sehen oder aber, andersrum, das Kleingedruckte in den AGB lesen kann (von verstehen hat niemand was gesagt). Ich mag das Wort Sehhilfe nicht besonders, es hat so was Krankenkassendeutschmässiges und erinnert an Gehhilfe, Hörhilfe, Kauhilfe, an Sozialhilfe zudem und andere Hilfen, auf die man lieber verzichten würde. Sagen wir Brille, einfach Brille. Es gibt sie für weit, für nah und für beides. Das gleiche gilt für Kontaktlinsen, die bekanntlich unsichtbar auf dem Augapfel (das ist jetzt mal ein schönes Wort!) aufliegen und, genauso wie die Brille, so ziemlich alles korrigieren, was zwischen Horn- und Netzhaut schiefläuft. Lange konnte ich mir ja die Bedeutung von kurz- und weitsichtig nicht merken, wahrscheinlich, weil es doch unlogisch ist, einen Fehler mit einer Fähigkeit zu verbinden (wie eben bei kurz- [in die Nähe gut sehen können] und weitsichtig). Aber seit ich selbst kurzsichtig bin, ist es klar – am besten lernt man doch durch eigene Anschauung, und mag sie noch so verschwommen sein. Da ist nur eine Sache, die mich stört (neben beschlagenen Brillen, Kratzern auf teuren Gläsern und ohne Brille die Brille suchen müssen), und zwar, dass sich mit Kurzsichtigkeit auch ein sozusagen charakterlicher Mangel verbindet, man kurzsichtig (im Sinne von nicht vorausschauend) mit perspektivlos und beschränkt in Verbindung bringt, wodurch der Kurzsichtige gleich doppelt gestraft ist. Tja. |



















