Foto: Crew
Theaterspaziergänge im Outernet
Dominique Spirgi
Die Reihe ‹Portable Reality› beleuchtet Theater- und Kunstwelten, die Grenzen der physischen Realität überschreiten.
Die Theatergäste werden an Bretter angeschnallt und mit Datenbrillen sowie Kopfhörern von der realen Welt abgeschnitten. Beziehungsweise quasi als Avatar auf eine Reise durch virtuelle und erweiterte Realitäten geschickt. Das ist ‹Terra Nova› der belgischen Gruppe Crew. Der Titel ist durchaus doppeldeutig zu verstehen, denn er bezieht sich nicht nur auf das technische Neuland, sondern auch auf den Plot, der sich an die gleichnamige Antarktis-Expedition von Robert Scott (1910–1912) anlehnt, die bekanntlich ein tragisches Ende nahm.
Theater auf der Bühne, Kunst im Museum, das gibt es nach wie vor. Doch immer mehr Theater- und Kunstschaffende verlassen ihre angestammten Räumlichkeiten und vermitteln mit Hilfe digitaler Medien neue Erlebnis- und Erfahrungswelten. Die Compagnie Crew des ehemaligen Comiczeichners Eric Joris führt bereits ziemlich weit in die Virtual oder Augmented Reality hinein. Mit ‹Immersion›, also mit Eintauchen in künstlerisch-künstliche Welten, bezeichnet er das Prinzip seiner Theaterreisen im Outernet.
Fantastische Parallelwelten
‹Terra Nova› ist nun in Basel zu sehen bzw. zu erleben. Die Theaterinstallation ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die sich ‹Portable Reality› nennt und vom Haus der elektronischen Künste (HeK) gemeinsam mit Kaserne Basel und Museum Tinguely organisiert wird. Neben ‹Terra Nova› sind ein Symposium, Workshops und weitere Performances angekündigt.
Zum Beispiel die Live Art Performance ‹C.A.P.E.› (Computer Assisted Personal Environment), die ebenfalls aus dem Repertoire von Crew stammt. Die sehr technisch klingende Bezeichnung ist Programm: Anders als bei ‹Terra Nova› befinden sich die Teilnehmenden dieser Reise nicht im noch einigermassen geschützten Theaterraum. Sie bewegen sich vordergründig über Basler Boden im und um das Museum Tinguely, während die Datenbrille ganz andere Schauplätze vermittelt: etwa Spaziergänge durch Tokio und Brüssel sowie einen Marsch mitten in einem Strassenumzug in Ghent.
Auf einem ähnlichen Prinzip beruht das Augmented-Reality-Projekt ‹liveClipper› von Jan Torpus, welches das Publikum im St. Johanns-Park mit Hilfe eines tragbaren Computersystems in Sphären zwischen der realen Alltagswelt und fantastischen Parallelwelten entführt.
‹Portable Reality›: Mi 24. bis So 28.9., Kaserne Basel, Museum Tinguely und weitere öffentliche Orte in Basel → S. 32, 33
ProgrammZeitung 9/2014, S. 14


















