Bald kein Geheimtipp mehr: Der neue Jazzcampus
Foto: Kathrin Schulthess
Willkommen im Jazzparadies!
Tilo Richter
Der Jazzcampus wird seiner Bestimmung übergeben
Zuletzt brauchte es einige Geduld bei allen Beteiligten – die Eröffnung des neuen Basler Jazzcampus im Kleinbasel wurde um neun Monate verschoben. Mit Semesterbeginn starten die Musik-Akademie Basel und die Musikhochschulen der Fachhochschule Nordwestschweiz nun inmitten der Altstadt durch und laden alle zum Mitfeiern ein. Insbesondere die künftigen Jazzstudierenden, die MusikschülerInnen und ihr Lehrpersonal dürfen sich auf einen architektonischen und akustischen Ort der Extraklasse freuen. In einem einst unscheinbaren Hinterhof, wo früher Maschinen produziert wurden, gut versteckt hinter mittelalterlichen Wohnhäusern, ist seit Mai 2011 eines der ungewöhnlichsten Musikschulgebäude Europas gewachsen.
Mit Mitteln (in ungenannter Höhe) der Stiftungen Levedo und Habitat realisierte das Architekturbüro Buol & Zünd den Umbau der historischen Gebäude und die dahinter liegenden, zwei- bis sechsgeschossigen Neubauten. Beide Stiftungen werden vor allem von Beatrice Oeri alimentiert, von deren Engagement für die Basler Jazzszene bereits The Bird’s Eye Jazz Club profitiert. Für den künftigen Unterhalt und Betrieb des Jazzcampus sorgen die Musik-Akademie Basel und die Fachhochschule Nordwestschweiz.
Ein lebendiges Ganzes
Zu jenen, die die Idee eines Jazzcampus vehement verfolgt haben, zählt Bernhard Ley, Gründer und Leiter der ehemaligen Jazzschule Basel, heute Leiter der Abteilung Jazz innerhalb der Musikhochschulen FHNW. «Es ist ein einzigartiges Zentrum für Jazz in der Basler Altstadt. Ein inspirierender Ausbildungs-, Begegnungs- und Veranstaltungsort, der zu einer Plattform für Musikschaffende aus der ganzen Welt wird.» Für Ley ist der Campus ein «lebendiges Ganzes», von dem auch die Öffentlichkeit profitieren wird: Der im Neubau mit 50 Zimmern und Aufnahmestudios integrierte Jazzclub für bis zu 150 Gäste wird vermutlich schnell als neue Konzertlokalität in die Basler Kulturagenda Eingang finden. Mehrere Veranstaltungen pro Woche sind avisiert, die Regie führt hier die Studentenschaft.
Zum Auftakt bietet ein langes Wochenende beste Gelegenheit, die neuen Räume im Gebrauch zu erleben: Gleich nach dem Semesterstart für die 250 Schülerinnen und Schüler der Jazzschule (Musikschule), die 64 Studierenden und 45 Lehrpersonen der Musikhochschule lädt der Campus zum grossen Eröffnungsfest, das in Kooperation mit dem Musikfestival Klangbasel (S. 9) stattfindet.
Mittendrin präsent sein
Dass der Jazzcampus die weltbesten Dozierenden anziehen will, ist kein Geheimnis. Jo Dunkel von der Stiftung Habitat erläutert, dass kein Aufwand gescheut wurde, um ideale Voraussetzungen für Lehre und Performance zu schaffen. In Zusammenarbeit mit einer Gelterkinder Firma wurde im Vorfeld etwa das 1:1-Modell eines Unterrichtsraums für Akustiktests gebaut. «Fachleute aus Architektur und Akustik haben sich hier Hand in Hand dem Optimum angenähert. Dabei standen die spezifischen Wünsche der Lehrkräfte im Mittelpunkt.» Und auch die Lage in der Innenstadt ist für Dunkel ideal. «Wir wollen nicht an der Peripherie, sondern mitten in der Stadt präsent sein.» Für Leben ausserhalb der eigentlichen Unterrichtszeiten sorgt zudem die Nutzung der Altbauten für Studenten-WGs und eine Wohnung für GastdozentInnen. Der Basler Campus steht – wie der Jazz in der Musik – für die Innovation: Einem geschichtsträchtigen Stadtort wird mit einer anderen Bestimmung eine neue Zeitschicht hinzugefügt.
Open House Jazzcampus: Fr 19. bis So 21.9., Utengasse 15, www.jazzcampus.com. Mit Konzerten, Architekturführungen, Gesprächen, Food & Drinks
Ausserdem: Jazzfestival Freiburg: Fr 19. Bis So 28.9., div. Lokale, www.jazzfestival-freiburg.de
Reihe ‹Jazz im Parterre›, organisiert vom Jazzkollektiv Basel: Mo 29.9., 20.30, Parterre, www.jazzkollektivbasel.ch
Programm The Bird’s Eye Jazz Club → S. 38
ProgrammZeitung 9/2014, S. 11


















