‹Industriekultur in der Region Basel› (Foto: Klaus Spechtenhauser)
ProgrammZeitung 10/2014, S. 22
Industriekultur als Fleissarbeit
Nana Badenberg
Besuch von Stätten produktiven Schaffens.
Wer sich Basel von aussen nähert, folgt auch in der ästhetischen Wahrnehmung zuallererst modernen Transportwegen und Industriebauten; Tradition und historisches Gewachsensein erschliessen sich erst auf den zweiten Blick. Doch just die Geschichte der Industrie und ihrer Handelswege ist den genauen zweiten Blick wert: die Bahnbauten des 19. Jahrhunderts, die erst späte Schiffbarkeit des Rheins bis Basel, die ins 15. Jahrhundert zurückreichende Papierproduktion, die Basler Chemie mit ihren Farben und Pharmazeutika.
Dies sind denn auch vier der acht Themenbereiche der Wanderausstellung, die im Museum Kleines Klingental, danach in Liestal und Lörrach gastiert. Parallel dazu lädt ein Wanderführer zu entsprechenden Touren ein: Sie führen durchs Baselbe Industrieareale von Muttenz und Pratteln (Salinen, Wasserspeicher, Häfen), zu der ‹Feinmechanik im Waldenburgertal›, der Hauensteinbahn und entlang der Birs bis Delémont (Papier-, Elektro- und Keramikfabrikation).
Funktionell und reizvoll.
Hans-Peter Bärtschi, der sich seit langem von Winterthur aus um die Erfassung schützenswerter ‹Industriekulturgüter› der Schweiz bemüht, hat nach Bern, Zürich und der Ostschweiz nun auch die Region Basel erschlossen. Ein Grossprojekt, in das sich die lokal verfügbaren Informationen mit gewissen Verschiebungen in den Details und Relationen einfügen müssen.
Dass die aufgenommenen Bauten, Anlagen oder Maschinen noch zu existieren und ein gewisses Mindestalter aufzuweisen haben, führt zudem zu historischen Lücken. Genaueres zum Novartis-Campus fehlt ebenso wie
die einstigen Schettyhäuser am Claraplatz. Und während das umgenutzte Gebäude der Basler Druckerei- und Verlagsanstalt im Gundeli verzeichnet ist, findet man die Druckereivergangenheit des Ackermannshofes auch auf der (etwas spröden) Website nur schwer.
Auf jeden Fall aber zeigt sich, wie abwechslungsreich und architektonisch reizvoll Industriebauten sind: Sichtbeton und der Wunsch nach Funktionalität stehen oft zeitgleich neben historischer Fassadenarchitektur. Die kapellenartige Trafostation in Gelterkinden entstand in den nämlichen 1920er-Jahren wie das Bernoulli-Silo oder die modularen Betonklausen der Haas’schen Schriftgiesserei in Münchenstein.
‹Industriekultur in der Region Basel›: Mi 15.10., 18 h (Vernissage), bis So 29.3.15, Museum Kleines Klingental, Unt. Rheinweg 26, www.mkk.ch, Mi und Sa 14–17 h, So 10–17 h
Hans-Peter Bärtschi, ‹Industriekultur beider Basel. Unterwegs
zu 333 Stätten des produktiven Schaffens›, Rotpunktverlag,
Zürich, 2014. 272 S., br., CHF 32
Informationsplattform für Schützenswerte Industriekulturgüter der Schweiz: www.industriekultur.ch

















